Wenn Tiere trauern – seelische Störungen bei Tieren

Die tierpsychologische Forschung hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht.  Themenbereiche der seelischen Störungen bei Tieren erstrecken sich von der Erforschung von Angstverhalten und Aggressivität bis hin zur Mutter-Kind-Beziehung und Homosexualität.

Erkenntnisse über depressive Zustände bei Tieren im Zoo und freier Wildbahn sind bisher nicht registriert worden. Anders sieht es hier beim Verlustverhalten von Haustieren aus. Tiere, die mit ihrem Besitzer in einer „monogamen“ Beziehung leben, reagieren nach dessen Tod mit Apathie. Sie ziehen sich zurück und verfallen in eine todesähnliche Starre.

Beim frühem Mutter- und Partnerverlust wurde auch bei Vogelarten wie der Graugans seelische Störungen festgestellt. Der österreichische Zoologe Konrad Lorenz beobachtete bei Graugänsen einen Hospitalismus, der dem von Menschen ähnelt. Die Tiere entziehen sich vollständig den Außenreizen und wenden sich von ihren Artgenossen ab. Dies wurde auch bei jungen Rhesusaffen festgestellt. Der sibirische Zwerghamster frisst sich nach einer Partnertrennung Kummerspeck an. Auch die Anwendung von Heilungsmethoden ähneln denen von Menschen. Durch entsprechende Zuwendung und sogar Antidepressiva konnten bei den Tieren eine Verbesserung des Zustandes festgestellt werden. Beim Trauerverhalten von Hunden wurde in der Literatur ein besonderes Augenmerk gelegt. In Einzelfällen führte der Verlust des Herrchens sogar zum Tod, aufgrund von Nahrungsverweigerung. In diesem Fällen war die Bindung so stark, dass diese nicht einmal durch Zuwendung anderer Menschen kompensiert werden konnte.

Spannend sind die Untersuchungen zum altruistischen Verhalten von Tieren. Ziel ist hier der Schutz des eigenen Erbgutes. Ein bekanntes Beispiel ist die selbstlose Aufopferung in der Bienenwelt. Die unfruchtbaren Arbeiterinnen geben für die Verteidigung ihrer Bienenkönigin ihr Leben.