Wolpertinger – Fabelwesen der bayerischen Fauna

Der Wolpertinger ist das Fabelwesen der Bayern. Gesichtet wurde er zum ersten Mal vor über hundert Jahren im Bayerischen Wald. Noch heute soll er vor allem in diesem Landstrichen unterwegs sein.
Wolpertinger

Dei Bezeichnung Wolpertinger kommt wohl von der bayerischen Ortschaft Wolterdingen bei Donaueschingen. Ein Glasmacher stellte dort Schnapsgläser in Form von Tiergestalten her, die als Wolterdinger bezeichnet wurden. Im Laufe der Zeit wandelte sich dieses Wort in Wolpertinger um.

Das Anglitz des Wolpertingers ist sehr skuril. Je nach Überlieferung sind zwischen zwei und acht Tiere in ihm vereinigt. Sicher ist nur, dass er ein Nachttier ist. Mit seinen spitzen Krallen und scharfen Raubtierzähnen lädt er nicht zum Kuscheln ein. Auf seinem Speiseplan stehen nur kleinere Tiere und Wurzeln, und ist daher keine Bedrohung für den Menschen. Laut dem Deutschen Jagd-und Fischereimuseum in München ernährt er sich gar nur von preußischen Weichschädeln. Schönheit wurde ihm leider nicht in die Wiege gelegt. Eine seltsame Mischung aus Ente, Wildsau, Karpfen und Eichhörnchen prägen sein Erscheinungsbild. Und überhaupt hat man den Eindruck, dass sich sämtliches in den bayerischen Wäldern lebendes Getier in ihm vereinigt. Dennoch lieben die Bayern ihren Wolpi. Schon bei Kindern ist er genauso bekannt wie König Ludwig der II.

Nur von wenigen Jägern ist der scheuer Wolpertinger bis heute gesichtet und erfolgreich erlegt worden. Dabei sind eine Vielzahl von kreativen Fangmethoden überliefert. Am interessantesten ist wohl diese: eine junge, gut aussehende Frau muss in der Abenddämmerung in einer Vollmondnacht in Begleitung eines anständigen Jünglings (wahrscheinlich in Gestalt des Jägers), der über die entsprechenden Ortskenntnisse verfügt, in den Wald geschickt werden. Gefügig machen kann man sich den Wolpertinger auch durch das Streuen von Salz auf seinen buschigen Schwanz.

In seiner ganzen Pracht ist der Wolpertinger im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum in München zu sehen.